Übersehen wir gerade die größte strategische Chance für mehr Unabhängigkeit?

Übersehen wir gerade die größte strategische Chance für mehr Unabhängigkeit?
Übersehen wir gerade die größte strategische Chance für mehr Unabhängigkeit?

Wenn man aktuell über die neue EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) und den digitalen Produktpass spricht, fallen oft Begriffe wie Bürokratie, Aufwand oder zusätzliche Pflichten für Unternehmen. Aber wenn wir alle mal einen Schritt zurückgehen und uns fragen, warum das Ganze überhaupt gemacht wird, wird schnell klar: Im Kern geht es um etwas, das eigentlich jeder von uns unterschreiben würde.

Übersehen wir gerade die größte strategische Chance für mehr Unabhängigkeit?

Im Grunde wollen wir doch alle dasselbe

Ganz unabhängig von politischen Lagern oder der eigenen Branche: Die meisten Menschen sind sich doch einig, dass wir verantwortungsvoller mit unserer Umwelt und unseren Ressourcen umgehen sollten. Niemand möchte verschmutzte Landschaften, überfüllte Deponien oder Ressourcenverschwendung – schon gar nicht auf Kosten unserer Kindern und zukünftiger Generationen.

Gleichzeitig stehen wir in Europa vor einem weiteren Problem: Wir haben vergleichsweise wenig eigene Rohstoffe und sind somit stark abhängig von Importen aus anderen Regionen der Welt. Was diese wirtschaftliche Abhängigkeit aufgrund geopolitischer Einflüsse und Risiken finanziell für uns als Europäer bedeutet wird uns tagtäglich vor Augen geführt.

Und genau hier liegt der Ursprung der ESPR mit dem digitalen Produktpasses.

Aber, wenn man aktuell über die neue EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) und den digitalen Produktpass spricht, fallen oft nur Begriffe wie Bürokratie, Aufwand oder zusätzliche Pflichten für Unternehmen. Wenn wir alle jedoch mal einen Schritt zurückgehen und uns fragen, warum das Ganze überhaupt gemacht wird, wird schnell klar, dass es im Kern um etwas geht, was eigentlich viele von uns sofort unterschreiben würde.

Es geht neben den Themen saubere Umwelt und sinnvoller Umgang mit unseren Ressourcen vor allem darum bereits vorhandene Rohstoffe erneut nutzbar zu machen zu können, um die Abhängigkeit von Importen darüber zu reduzieren.

Ziel muss es sein: Mehr Kreislaufwirtschaft statt Wegwerfdenken

Auch stecken da wiederum Chancen als Vorreiter im Bereich von Wiederaufbereitung und Verwertung von Materialien und Rohstoffen eine technologisch führende Rolle einzunehmen.

Die zentrale Frage lautet: Warum holen wir ständig neue Rohstoffe von außen, wenn bereits große Mengen in unseren Produkten stecken?

Das Problem liegt im Detail: Wenn ein Gebäude saniert oder zurückgebaut wird, weiß oft niemand genau, was eigentlich verbaut wurde.

• Welcher Lack ist auf dem Holzrahmen?

• Welche Beschichtungen hat das Glas?

• Welche Kunststoffe sind enthalten?

• Wie lässt sich das Produkt zerlegen?

Ohne diese Informationen wird Recycling kompliziert – oder gar unmöglich.

Denn erst wenn ich weiß, was ich vor mir habe, kann ich entscheiden:

• Wiederverwenden?

• Aufbereiten?

• Recyceln?

Damit wird aus einem „Black-Box“-Produkt plötzlich ein nachvollziehbares System.

Der digitale Produktpass liefert genau diese Informationen – strukturiert, zugänglich und nutzbar.

Weniger Ideologie, mehr Pragmatismus

Man kann den digitalen Produktpass kritisch sehen, vor allem wenn es um Umsetzung und Aufwand geht. Aber das Ziel dahinter ist weder radikal noch weltfremd, sondern im Grunde sehr pragmatisch:

nämlich das zu nutzen, was wir bereits haben, anstatt ständig Neues zu verbrauchen.

Gerade für Europa ist das kein „Nice-to-have“, sondern eine strategische Notwendigkeit.


Fazit

Der digitale Produktpass ist im Bauwesen kein theoretisches Konzept, sondern ein praktisches Werkzeug. Er schafft die Grundlage für das, was wir eigentlich alle wollen:

• weniger Verschwendung

• mehr Wiederverwertung

• eine funktionierende Kreislaufwirtschaft

Und gerade in einer rohstoffarmen Region wie Europa ist das kein Idealismus, sondern schlicht eine logische Weiterentwicklung unseres Bauens.

Denn am Ende gilt: Das nachhaltigste Material ist oft das, das wir bereits verbaut haben.